Dr. Gerald Reiter, Pensionsexperte: Seit Jahrzehnten werden die Unfinanzierbarkeit der gesetzlichen Altersvorsorge in Österreich und die Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge getrommelt. Der jüngste OECD-Bericht, die aktuellen Daten der Sozialversicherung und namhafte Expertinnen und Experten weisen aber nach: die Pensionen in Österreich sind der Leistungsfähigkeit der österreichische ArbeitnehmerInnen angemessen, zukunftssicher, nachhaltig und vermeiden in hohem Maße Altersarmut.


Der Vergleich mit Deutschland macht uns sicher

Eine neue Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, der Hans-Böckler-Stiftung des DGB und der Arbeiterkammer hat festgestellt, dass die PensionistInnen in Österreich durchschnittlich um mehr als 500 Euro monatlich mehr Pension bekommen als in Deutschland. Liegt bei uns die durchschnittliche Pension bei 1.560 Euro, bekommen deutsche PensionistInnen nur etwa 1.050 Euro.


Österreichs Umlagesystem schlägt Deutschlands Riester-Rente

In Österreich wird die Pensionsversicherung ganz überwiegend nach dem „Generationenvertrag“ umlagefinanziert. Die Erwerbstätigen zahlen Pensionsversicherungsbeiträge, die in der selben Periode an die PensionistInnen ausbezahlt werden. Damit entfällt jegliches Veranlagungsrisiko. Die ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen leisten jeweils ihren Beitrag zur Pensionsversicherung. Der Bund deckt die übrigen Kosten aus Steuermitteln ab, derzeit sind das 2,8 % des Bruttoinlandsprodukts. In Deutschland hat man 2002 die sogenannte Riester-Rente eingeführt. Das ist eine private kapitalgedeckte Altersvorsorge und sollte vor allem die Unternehmen entlasten - Stichwort Lohnnebenkosten. Der Pensionsversicherungsbeitrag beträgt in Deutschland jetzt nur 18,7 % (in Österreich 22,85 %, unverändert seit 1988). Die vollmundigen Versprechungen der Riester-Rente gingen aber allesamt nicht auf und bescherten den Deutschen schmerzlich niedrige Renten, weil sich ca. 30 % der ArbeitnehmerInnen die Beiträge zur privaten Riester-Rente nicht leisten können und die erwartete Höhe der Renditen der privaten Vorsorge von 5% nicht eingetreten sind.

grafik pensionsausgaben 770

 

Und in Zukunft?

Die Finanzierung der Pensionen läuft bei uns deshalb aber nicht aus dem Ruder. Der öffentliche Pensionsaufwand wird sich voraussichtlich nur von 13,9 % auf 14,4 % des BIP steigern, obwohl der Anteil der über 65-Jährigen von 18 % auf 28 % der Bevölkerung steigen wird. Eher stellt sich da die Frage darf‘s ein bisschen mehr sein für die PensionistInnen? Jedenfalls gehört die Finanzierung weg von reinen Lohn- und Gehaltsabgaben umgestellt auf eine Wertschöpfungsfinanzierung, wo auch die Gewinne einbezogen sind, so wie das Bundeskanzler Kern fordert.
(Dr. Gerald Reiter)

 

Back to top

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr über Cookies und über den Schutz Ihrer Daten beim Besuch dieser Webseite erfahren Sie, wenn Sie auf "Datenschutzerklärung" klicken.
Datenschutzerklärung Ok