Sabri Opak im Gespräch mit Inez Kykal und Ilse Derflinger.

 

Kannst du uns deine Flucht nach Österreich skizzieren?

Im Jahr 2002, zu Beginn meines Volkswirtschaftsstudiums, erhielt ich die Einberufung zum Militärdienst (18 Monate). Als überzeugter Pazifist blieb mir nur die Flucht. Sie führte mich nach monatelanger Reise, großteils zu Fuß, nach Österreich.

 

Wie sah dein Anfang in unserem Land aus?

Bei der Polizei hieß es damals: „Kommen sie in zwei Wochen wieder“. Ich schlief die ersten Wochen als Obdachloser neben anderen Obdachlosen am Bahnhof in Linz. Nach der Aufnahme in der Lunzertraße in Linz begann ich sofort mit dem Lernen der der deutschen Sprache. Sprache ist emotionale Nahrung und die Basis für ein Leben in einer neuen Heimat. Da ich nicht arbeiten durfte, lernte ich täglich zwischen sechs bis acht Stunden und konnte mich nach einem Jahr bereits sehr gut verständigen. Meinen Eltern bin ich sehr dankbar, dass ihnen Bildung wichtig war und sie mich gefördert haben. Sie hatten ihr kurdisches Dorf in Anatolien verlassen, um uns Kindern in Istanbul eine gute Schulbildung zu ermöglichen.

 

In welchen Etappen hast du dir dann dein Leben in Österreich aufgebaut?

Mein Asylverfahren dauerte insgesamt zehn Jahre, letztlich erhielt ich ein humanitäres Bleiberecht. Durch meine schnell erworbenen Deutschkenntnisse konnte ich immer wieder kurzfristig arbeiten, sei es als DJ und im Servicebereich in Tirol, sei es als Volontär im Bildungsbereich oder im Verein Flüchtlingsprojekt Ute Bock in Wien. Nachdem ich meine Aufenthaltsbewilligung erhalten hatte, arbeitete ich in einer großen Bildungseinrichtung in Linz im Migrationsbereich. Ich hatte mich endgültig für die Arbeit im sozialen Bereich entschieden.
Meine Bildungskarenz 2015/2016 nützte ich für eine Ausbildung an der Donau­universität Krems (Themen: Extremismus, Jihadismus, Deradikalisierung), um im interkulturellen Bereich tätig sein zu können. Seit März 2017 bin ich selbstständiger Unternehmer für interkulturelles Coaching und Beratung.

 

Wie kann man Fluchterfahrungen in etwas Positives umwandeln?

Flucht ist Überlebenstraining in allen Bereichen. Gegenseitige Hilfe und Unterstützung, ständige Motivation und Austausch von Erfahrungen sind menschliche Bereicherungen. Durchhaltevermögen, Fleiß, aber auch eine gewisse Wagnisbereitschaft und Flexibilität helfen beim Fußfassen und beim Aufbau einer neuen Existenz. Ich finde es sehr wichtig, dass sich Menschen mit Flucht- und Asylerfahrung als positives Vorbild für die Gesellschaft
engagieren.

 

 

Back to top

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr über Cookies und über den Schutz Ihrer Daten beim Besuch dieser Webseite erfahren Sie, wenn Sie auf "Datenschutzerklärung" klicken.
Datenschutzerklärung Ok