Wenn wir vom Thema „Gewalt an älteren Menschen“ oder „Demenz und Gewalt“ erfahren, haben wir meistens Bilder von körperlicher Gewalt im Kopf. Doch Gewalt hat viele Gesichter und ist in der Begleitung von Menschen mit Demenzerkrankung oft keine Einbahnstraße. Die Diagnose stellt pflegende Angehörige und Betreuungspersonen vor eine große Herausforderung. Überforderung, Informationsdefizit, Doppelbelastungen, können Auslöser für aggressive Handlungen sein.

 

Gewalt ist laut Galtung: „Das Vorenthalten der Möglichkeit, das Optimum zu verwirklichen“. So frage ich mich: „Übe ich im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit Gewalt aus? Mag der Tagesgast im fortgeschrittenen Stadium der Demenz wirklich das von mir dargereichte Mittagessen? Nimmt er/sie wirklich gerne an den Aktivitäten teil oder meine ich nur, dass es gut für ihn/sie sei?“

 

Es wird schwierig, wenn die Sprache verloren geht und kognitive Defizite mehr und mehr das Leben von Menschen mit Demenz und deren Umfeld verändern. Mehrmals täglich trifft man für sie in ihrem Sinne bestmögliche Entscheidungen. Somit ist eine völlig gewaltfreie Begleitung im oben genannten Sinn ein schwer erreichbares Ziel.

 

Doch unser ganzes Bestreben und all unsere Bemühungen müssen einer gewaltfreien Pflege, Betreuung und Begleitung gelten. Sich mit dem Thema bewusst auseinanderzusetzen, es überhaupt zum Thema zu machen, zu analysieren welche Formen von Gewalt es gibt und vor allem welche Ursachen zu Gewalthandlungen veranlassen – ist unser gemeinsamer Auftrag.

 

Alle sind hier gefragt und gefordert. Pflege- und Betreuungspersonen, Angehörige, Nachbarn, Organisationen, Institutionen, Politik, Mitmenschen. Gegen Gewalt etwas zu tun, soll auch im eigenen Interesse stehen. Eine Erkrankung genügt und man befindet sich in einem Abhängigkeitsverhältnis.

 

Als Denkanstoß und frei nach Immanuel Kant und seinem kategorischen Imperativ:

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

 

Wie bekomme ich professionelle Unterstützung?

➤ Opfer-Notruf (österreichweit, rund um die Uhr) Kostenfreie, juristische und psychologische Beratung des Weissen Rings für Opfer von Straftaten, Tel. 0800/112-112
➤ Weisser Ring, Landesleitung OÖ, Tel. 0699/13 43 40 04
➤ Gewaltschutzzentrum OÖ, Tel. 0732/60 77 60
➤ Servicestelle Pflegende Angehörige der Caritas für Betreuung und Pflege, 4020 Linz, Bethlehemstraße 56 – 58, Tel. 0676/87 76 24 40 Psychosoziale Beratung im Raum Linz und Grieskirchen unter Tel. 0676/87 76 24 41
➤ Krisenhilfe OÖ (rund um die Uhr), Tel. 0732/21 77
➤ Frauenhaus Linz, ambulante Beratung/Information zu häuslicher Gewalt. Bei Bedarf Vermittlung zu den regionalen Frauenhäusern Innviertel, Steyr, Vöcklabruck und Wels, Tel. 0732/60 67 00
➤ Männerberatung der Diözese, Tel. 0732/77 36 76 und des Landes OÖ, Tel. 0732/60 38 00 (mit regionalen Beratungsangeboten)
➤ Frauenhelpline gegen Männergewalt (kostenlos, rund um die Uhr, mehrsprachiges Beratungsangebot), Tel. 0800/222 555
➤ Pflegetelefon, Tel. 0800/20 16 22
➤ Telefonseelsorge-Notruf – aktuelle Krisenhilfe, rund um die Uhr, Tel. 142
➤ Polizei-Notruf 133 sowie jede örtlich zuständige Polizeiinspektion
➤ Kriminalpolizeiliche Beratung OÖ, Tel. 05 9133-0
➤ Euro-Notruf 112
➤ Pro Senectute/Beratungstelefon, Tel. 0699/11 20 00 99
➤ Volkshilfe OÖ, Tel. 0732/3405 0

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