Das Thema Pflege brennt uns allen unter den Nägeln. Das zeigt auch eine brandaktuelle Umfrage die der Pensionistenverband OÖ im Sommer bei seinen Funktionärinnen und Funktionären, in Zusammenarbeit mit dem IBE - Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung an der Universität Linz, durchgeführt hat.


Dabei wurde auf das Wissen und die Erfahrung der regionalen FunktionärInnen gesetzt. Für 90 Prozent der Befragten gibt ein drohender Mangel an Pflegekräften Anlass zur Sorge. 80 Prozent bereitet die oft lange Wartezeit auf einen Pflegeplatz ernsthafte Sorgen und 72 Prozent befürchten mangelnde Angebote für Pflegebedürftige in der Gemeinde. 7 von 10 Befragten befürchten, dass auf die Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen nicht ausreichend eingegangen wird. 67 Prozent sorgen sich um die Qualität der Pflege und Betreuung. Und 63 Prozent haben Zweifel daran, ob sie sich Pflege und Betreuung leisten können.

Abbildung 1-7: Aspekte, die Sorgen bereiten (gereiht nach Zustimmung)

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Kein Wunder, dass fast alle – exakt 99,6 Prozent, eine staatliche Pflegegarantie, wie sie der Pensionistenverband fordert, für sehr wichtig – 92 Prozent bzw. wichtig – 7,6 Prozent, halten damit Pflege leistbar ist. Sehr wichtig ist den Befragten auch die flächendeckende Einrichtung von Pflegeservicestellen, die den Pflegeprozess organisieren.

Was die künftige Finanzierung der Pflege und Betreuung angeht, halten 94 % die Einführung einer für Pflege zweckgewidmeten Erbschaftssteuer für Millionenerbschaften für richtig und wichtig. „Staatliche Pensionsgarantie und eine Millionenerbschaftssteuer statt einer Pflegeversicherung, die auf Dauer sicher nur Arbeitnehmer und Betroffene belasten würde, wie man in Deutschland sieht – das ist und bleibt unser Kurs! Das Recht auf würdige Pflege sollte daher in der Verfassung verankert werden“, bekräftigt PVOÖ-Landespräsident Konsulent Heinz Hillinger.


Der Pensionistenverband will auch künftig die Menschen im Land, die Pflege benötigen und pflegende Angehörige bestmöglich unterstützen und in der Öffentlichkeit verstärkt für deren Interessen auftreten. Die landesweite Befragung ist eine optimale Grundlage für diesen Einsatz. Mit den fundierten Ergebnissen der Befragung wird der Pensionistenverband als starker „Lobbyist“ in Sachen Pflege weiter aktiv bleiben.

Was uns wichtig ist

Fast alle Befragten sind für bessere Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal sowie für eine jährliche Inflationsanpassung des Pflegegeldes, die nun im parlamentarischen Prozess erreicht werden konnte. Ebenso einhellig ist die Forderung nach besserer Anerkennung von Demenz bei der Pflegegeldeinstufung und Rechtsanspruch auf Pflegekarenz bzw. -teilzeit inkl. Kündigungsschutz.


Weitere Punkte mit Zustimmungsraten von fast 100 Prozent:

➢ Schaffung von betreuten alternativen Wohnformen für die Pflegestufen 1 – 3
➢ Erhöhung des Förderbeitrags für die 24-Stunden-Betreuung
➢ Höhere Zuschüsse für Schaffung von barrierefreiem Wohnraum
➢ Mehr Entlastungsangebote für pflegende Angehörige


Abbildung 1-12: Wichtigkeit der Forderungen für gute Pflege und Betreuung (gereiht)

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Zur Umfrage:

Im Frühsommer 2019 wurden in jeder Ortsgruppe des Pensionistenverbands Oberösterreich Fragebögen ausgegeben. Bis Ende Juli 2019 wurden die ausgefüllten Bögen an die Landesorganisation retourniert und anschließend elektronisch erfasst. Für die Analyse standen schließlich 834 gültige Fragebögen zur Verfügung. Mehr als die Hälfte der TeilnehmerInnen ist unter 70 Jahre alt (52 %). Nur etwa 6 % der TeilnehmerInnen ist bereits 80 Jahre oder älter. Die Hälfte der TeilnehmerInnen (50 %) lebt in kleineren Gemeinden mit weniger als 3.000 EinwohnerInnen. Der Anteil der TeilnehmerInnen in urbanen Wohngebieten mit über 20.000 EinwohnerInnen liegt bei 11 %.

Wissen und Information
Die Befragten sind nach eigener Beurteilung zum Thema Pflege und Betreuung überwiegend gut informiert, innerhalb der eigenen Wohngemeinde (63 % trifft sehr oder eher zu) wie auch ganz allgemein (70 %). Acht von zehn Befragten (80 %) geben an zu wissen, an wen sie sich bei Fragen wenden können. 44 % der Befragten finden es allerdings eher oder sogar sehr schwierig, die passenden Informationen zum Thema Pflege und Betreuung zu finden. Die jüngeren TeilnehmerInnen beziehen ihre Informationen häufiger aus dem Internet oder von ärztlicher Seite (Hausarzt/ Hausärtzin, Krankenhaus). Die älteren der Befragten werden dagegen häufiger über den Pensionistenverband informiert.

 

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Eigene Erfahrungen
Nur ein relativ kleiner Teil der befragten FunktionärInnen hat selbst Bedarf an Pflege- oder Betreuungsdienstleistungen (4 %) oder nimmt solche bereits in Anspruch (3 %). Dagegen hat bereits etwa die Hälfte der Befragten Erfahrungen im direkten familiären Umfeld und gibt an, bereits selbst Angehörige gepflegt (52 %) bzw. deren Pflege organisiert zu haben (48 %). Knapp zwei von drei Befragten (64 %) haben Pflegeerfahrung in zumindest einem der beiden Bereiche, etwa jede/-r Dritte (33 %) in beiden Bereichen („Organisation von Pflege“ und „selbst gepflegt“).Frauen geben häufiger an, in der

Vergangenheit bereits Angehörige gepflegt zu haben (60 % vs. 41 %). Männer dagegen sind häufiger ehrenamtlich für andere Mitglieder des PV engagiert (32 % vs. 25 %). Hinsichtlich der Vorsorge für die eigene Pflege und Betreuung geben die Befragten überwiegend an, noch nicht ausreichende Maßnahmen getroffen zu haben. So geben beispielsweise nur 16 % der FunktionärInnen an, dass ihre Häuser/ ihre Wohnungen völlig barrierefrei sind. Auch die Vorsorge hinsichtlich der persönlichen Vorstellungen und Wünsche bezüglich der eigenen Pflege und Betreuung sowie die finanzielle Absicherung wurde bisher erst von einem vergleichsweise geringen Teil der Befragten getroffen.

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In der Gemeinde

Von Seiten der Ortsgruppen des Pensionistenverbands werden eine Reihe von Dienstleistungen angeboten. Am häufigsten geben die befragten FunktionärInnen an, dass in ihrer Ortsgruppe Hol- und Bringdienste zu Veranstaltungen des PV angeboten sowie Besuchsdienste und Bewegungsangebote existieren.

Die Verfügbarkeit der einzelnen Angebote wird von den Befragten als sehr unterschiedlich wahrgenommen. Während Essen auf Rädern von 94 Prozent der Befragten in der eigenen Gemeinde in Anspruch genommen werden kann, sind bestimmte Dienstleistungen wie Fahrdienste (31 %) oder bestimmte Beratungsangebote wie Demenzberatung (35 %) deutlich seltener verfügbar.

Grundsätzlich ist festzustellen, dass Befragte aus größeren Gemeinden ein deutlich breiteres Angebot als verfügbar betrachten, als dies bei FunktionärInnen in kleineren Wohngemeinden der Fall ist. Dies gilt für so gut wie alle der genannten Angebote: gemütliche Treffpunkte (95 % in der Stadt vs. 58 % in Gemeinden unter 3.000 EinwohnerInnen), Veranstaltungen, Tageszentren, betreutes Wohnen, Angebote zu Bewegung, Beratung, Entlastung für pflegende Angehörige, etc. Dementsprechend werden diese Angebote von Befragten aus ländlichen Gemeinden häufiger vermisst als in den Städten.

 

Vertiefende Rückfragen zur Befragung bei:
IBE - Maga Manuela Hiesmair, 0 732 / 609313 – 5531, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Pflege in Oberösterreich - Ergebnisse einer Befragung von FunktionärInnen des Pensionistenverbandes:

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